Die illegale Pfarrerin

Audioinstallation in der Kirche (vom 17. Mai - 10. Juni) und Abendgottesdienst (am 19. Mai) über Greti Caprez, die erste „Pfarrerin“ in Kilchberg.

Greti Caprez-Roffler war 25 Jahre alt, frisch gebackene Theologin und Mutter, als sie 1931 im Bergdorf Furna im Prättigau zur Pfarrerin gewählt wurde. Eine Frau auf der Kanzel, das konnte sich damals kaum jemand vorstellen. Kein Kanton, keine Gemeinde hatte bis dahin eine Frau zur Pfarrerin gewählt. Greti Caprez-Roffler kam mit ihrem Mann 1947 nach Kilchberg in’s Pfarramt. Obwohl sie Theologin war, durfte sie nur als Pfarrfrau wirken.

Greti Caprez-Roffler war nicht nur die erste Pfarrerin, die in der Schweiz eine Gemeinde betreute, sondern auch eine Pionierin in Bezug auf Fragen, die uns bis heute beschäftigen: Wie bringe ich Berufung, Familie und Liebe zusammen? Wie stark folge ich gesellschaftlichen Normen, wo finde ich einen eigenen Weg? Und was ist der Preis für den Widerstand? Sie war eine unbequeme Frau, die ihre Zeitgenossen und ihre Familie mit ihrem festen Willen und ihrer direkten, bestimmenden Art immer wieder herausforderte.

Eine Audioinstallation für Kirchenräume gibt Auskunft über das Leben von Greti Caprez-Roffler. Die Installation besteht aus einer Hörgeschichte (auf Kopfhörer) und sechs im Kirchenraum verteilten Guckkästen, die Fotos und Alltagsobjekte aus dem Leben der Pfarrerin zeigen.

- Führungen mit Christina Caprez durch die Ausstellung am 24.5. um 18h und um 21h (vor und nach der Lesung)


Abendgottesdienst am Sonntag, 19. Mai 2019 um 18.00 Uhr in der Kirche

Die Verantwortliche für die Ausstellung, die Journalistin, Autorin und Soziologin Christina Caprez, die Enkelin von Greti Caprez, wird zu Gast sein im „Über Gott und die Welt“-Gottesdienst am Sonntag, 19. Mai um 18.00 Uhr. Mit ihr spreche ich 100 Jahre nach der Einführung der Frauenordination über die Rolle der Frauen in der Kirche, deren steinigen Weg in’s Pfarramt und das Leben von Greti Caprez, der eigentlich ersten „Pfarrerin“ in Kilchberg, die jedoch nicht als solche wirken durfte.

 

„Lesung aus dem unveröffentlichten Manuskript“ am Freitag 24. Mai 2019 um 19.30 Uhr im Conrad Ferdinand Meyer - Haus

Am Freitag, 24. Mai, um 19.30 Uhr ist Christina Caprez, die Enkelin der früheren Kilchberger Pfarrfrau Greti Caprez-Roffler, im C. F. Meyer-Haus zu Gast. Die Historikerin und Journalistin arbeitet an einer Biographie über ihre pionierhafte Grossmutter, die im Bündnerland bereits als erste Gemeindepfarrerin der Schweiz gewirkt hatte. Als Greti Caprez-Roffler zusammen mit ihrem Mann 1947 dann ins Kilchberger Pfarramt kam, blieb ihr trotz abgeschlossenen Theologiestudiums das Predigen aber versagt und sie durfte lediglich als Pfarrfrau tätig sein. Erst 1963 wurde Greti Caprez von der Zürcher Landeskirche ordiniert.

Christina Caprez liest Auszüge aus dem entstehenden Buch über Greti Caprez und vergegenwärtigt so das Leben ihrer Grossmutter. Vor und nach dem Anlass wird eine geführte Besichtigung der Audioinstallation in der reformierten Kirche angeboten.

 

Freuen Sie sich auf ein Stück Schweizer Geschichte in Kilchberg und seien Sie herzlich eingeladen zur Ausstellung, zum Abendgottesdienst und zur Lesung.

Sibylle Forrer,
Pfarrerin